Neue Platten

Stacey Kent - Breakfast On The Morning Tram

Genre: PopJazz
Label:Blue Note (EMI)
CD, VÖ: - 02.11.2007

Sängerinnen, die sich auf dem seichten Terrain des PopJazz bewegen, werden oftmals nicht so ganz für voll genommen. Für Jazzpuristen begehen sie Verrat an der gehegten und gepflegten Hochkultur, Popfans bemängeln mitunter den Griff in die etwas angestaubte Mottenkiste der Evergreens. Stacey Kent könnte man ähnliche Vorwürfe machen, wäre da nicht die von der ersten Minute an herrschende offene Nonchalence auf ihrer CD, mit der sie beide Lager miteinander versöhnt. Ihre fast schon kindlich naive Singstimme erweckt permanent den Eindruck, als würde hier ein sorgloses Mädchen vom Lande die weite Welt mit großen Kulleraugen entdecken. Mit anderen Worten: „Breakfast on the Morning Tram“ ist eine Charme-Offensive, der man sich so leicht nicht entziehen kann. Und das obwohl Stacey Kent aus dem nicht gerade für seine ländliche Abgeschiedenheit bekannten New York stammt. Geprägt wurde sie allerdings von Europa, ein zweiter Pluspunkt dieses Albums. Nur wenigen amerikanischen Sängerinnen ist es vergönnt, mit der französischen Sprache linguistisch so einwandfrei umzugehen, wie Frau Kent. Zwei Stücke von Serge Gainsbourg und die französische Version von Vinicius de Moraes/Baden Powells „Samba Saravah” beweisen eindrucksvoll die Verbundenheit mit der alten Welt. Hinzu kommen noch etliche schnuckelige Songs, die vom englischen Schriftsteller Kazuo Ishiguro getextet und von Kent’s Ehemann Jim Tomlinson jazzgerecht arrangiert wurden. Und selbst bei Coverversionen von Songs bekannter Jazzstimmen wie Ella Fitzgerald oder Louis Armstrong hat man stets den Eindruck der Entdeckung von Neuland. Ein würdiges Album für das renommierte Label Blue Note.

www.staceykent.com