Neue Platten

Dirtmusic - Bu Bir Ruya

Genre: Oriental Crossover
Label: Glitterbeat (Indigo)
CD; VÖ: - 26.01.2018

Chris Eckman (ex Walkabouts und „Chris and Carla“) hatte sich ja schon länger vom alternativen Singer/Songwriter-Status westlicher Prägung verabschiedet und mit dem Projekt „Dirtmusic” diverse Brücken zum afrikanischen Kontient geschlagen, seine engen Verbindungen zur Tuareg-Kombo Tamikrest sollten hinlänglich bekannt sein.
Im Zuge von neuem Inspirationsinput hat sich Eckman (zusammen mit seinem Gefährten Hugo Race) zur Abwechslung mal im Problemland Türkei umgesehen, um dort zusammen mit dem Baba Zula-Musiker Murat Ertel eine Session auszuklüngeln, die sich nicht nur mit der türkischen Undergroundkultur befasst, sondern sich auch noch politisch ein wenig aus dem Fenster lehnen möchte. Denn sowohl das Thema Flüchtlinge, als auch die politischen Umstände am Bosporus brannten allen Beteiligten unter den Nägeln. Niedergeschlagen hat sich das allerdings nur in einigen Titeln der insgesamt sieben Tracks umfassenden CD, wie zum Beispiel „The Border Crossing”, „Safety in Numbers” oder „Love is a foreign country”. Dass diese nachdenklichen Gedanken kaum einen Einfluss auf die Realität besitzen, ist dabei eine einigermaßen enttäuschende Erkenntnis. Nicht umsonst heißt das Album „Bu Bir Ruya” (Nur ein Traum).
Was also bietet das Trio Eckman, Race und Ertel genau? Die Antwort ist einfach: Knapp eine Dreiviertelstunde lang orientalische Undergroundmusik mit Session-Charakter, die auch von einem Baba Zula-Album hätte stammen können. Improvisationsmusik der introvertierten Art, immer wieder versetzt mit den wabernden Sounds der elektrischen Saz, mystischen Gesangsparts (von Eckman selbst, aber auch von Hugo Race und der Baba-Zula-Sängerin Brenda MacCrimmon) sowie post-punk-artige Elektronik. Sehr unterschiedlich fallen die Stücke leider nicht aus, leben also mehr von der Atmosphäre, als von ihrer Substanz. Insgesamt ergibt sich daher ein eher mittelmäßiger Qualitäts-Quotient.

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