Neue Platten

Gisela Horat - Verkehrte Welt

Genre: Solo Piano
Label: Eigenverlag
CD, VÖ: - 31.10.2013

Ein Richtungswechsel, von E- hin zur U-Musik, ist in aller Regel weitaus gängiger als umgekehrt. Kaum ein Unterhaltungsmusiker wechselt mal eben so ins Klassik-Fach. Insofern ist die Schweizerin Gisela Horat keinen ungewöhnlichen Weg gegangen. Nach Jahren des klassischen Klavierunterrichts hat sie den Sprung zum Jazz und in die Improvisation gewagt. Sie agiert nun im sicheren Kreis eines Trios mit Bassist und Schlagzeuger, aber auch in trauter Zweisamkeit mit einer Jazz-Violinistin. Vor kurzem dann auch noch der Sprung ins musikalische Single-Dasein mit dem Piano-Solo-Ergebnis „Verkehrte Welt“.
Und genau dieses Phänomen trifft man ja heute an fast jeder Ecke. Alles um einen herum wird zunehmend verwunderlicher. Gisela Horat hat also ein alltägliches Phänomen zum Anlass genommen, diese unsere verkehrte Welt gründlich und nach eigenem Gutdünken zu reflektieren. Man merkt dem Album sofort und deutlich an, dass die Protagonistin hierbei eine besonnene Herangehensweise pflegt. Fast schon behutsam setzt sie die Töne und irgendwann drängt sich sogar ein gepflegter Vergleich zu Erik Satie auf, was ja auch nicht gerade die schlechteste Referenz ist. Sowohl die vier eigenen Kompositionen als auch Stücke von u.a. Thelonius Monk oder Bill Evans bieten nachdenkliche bis sorgfältig abgestimmte Klaviermusik, ohne in halsbrecherischen Aktionismus zu verfallen. Eine angenehme Ausgeglichenheit liegt im Raum, die auch immer von einer leicht melancholischen Grundstimmung getragen wird. Titel wie „Sehnsucht“ oder „Nacht“ unterstreichen diesen Eindruck. Vergeblich sucht man dagegen nach aufgekratzten Popeinflüssen, wie man sie beispielsweise immer wieder bei Martin Tingvall
findet. Aber das schadet der verkehrten Welt überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil: selten hat man sich auf so unprätentiöse Art angenehm unterhalten gefühlt.


Das Album ist unter www.gisela-horat.ch oder www.cede.ch oder www.cede.de erhältlich.