Neue Platten

Jenny Hval - Innocence Is Kinky

Genre: Indie
Label: Rune Grammofon (Cargo)
CD, VÖ: - 19.04.2013

Ein nicht gerade schmeichelhaftes Cover für eine pikant aussehende junge norwegische Künstlerin. Aber so eigenwillig dieses Foto ist, so eigenwillig ist auch der Inhalt dieser CD und so eigenwillig ist auch der Albumtitel. „Innocence is kinky” – „Unschuld ist pervers” deutet auf eine nicht gerade konventionelle Sicht der Dinge hin. Dabei fängt alles mit ein paar stillen und schlüpfrig gehauchten Worten relativ harmlos an: „That night I watched people fucking on my computer …”. Kurz darauf zerschneiden harte Gitarrenriffs die Intimität. Kurzum: Jenny Hvals Album ist eine Berg- und Talfahrt, ein Mix aus laut und leise, aus Krach und Melodie, eine künstlerisch eigenwillige Perfor­mance, die einen gut durchschüttelt, aber auch wach hält, weil man nie weiß, was einen in den nächsten Sekunden und Minuten erwartet. Eine spannende Sache also. Jenny Hval dehnt ihre stimmlichen Fähigkeiten bis kurz vor den Zerreißpunkt, sie flüstert und schreit, und das in einem instrumentellen, elektro-akustischen Kontext, der vielfältiger kaum sein könnte. Die Palette reicht von E-Gitarre bis zum Weinglas, vom Saxophon bis zur singenden Säge. Räume öffnen und schließen sich, Rock steht gegen Traumtanz, weiter Space gegen enge Kammermusik, spoken word gegen Sirenengesang. So macht Musik hören Spaß, da wird man als Hörer gefordert, aber nicht überfordert. Übrigens: produziert wurde die CD von John Parish, der schon PJ Harvey in Szene gesetzt hat. Gewisse Ähnlichkeiten kommen also nicht von ungefähr. Trotzdem: Ganz weit vorne, diese Scheibe. Und Jenny Hval selbstverständlich auch.

www.jennyhval.com