Neue Platten

Bushman’s Revenge - A Little Bit Of Big Bonanza

Genre: Rock
Label: Rune Grammofon
CD, VÖ: - 30.03.2012

Rocken bis die Schwarte kracht. Eine Vorgehensweise, wie man sie zuvorderst von Rockbands älterer Bauart kennt, die Ende 60 bis Anfang 70 den psychedelischen Untergrund auf Vordermann gebracht hatten. Dass so etwas heute auch noch geht, beweisen Bushman’s Revenge aus Norwegen eindrucksvoll. Ein klassisches Trio (Gitarre, Bass, Schlagzeug), das einzig und allein auf der Welt zu sein scheint, den großen Rockvorschlaghammer zu schwingen, bis der Hörer ermattet in die Knie geht. Und was hat das alles nun mit Bonanza zu tun? Eigentlich nichts, denn wenn es dem Esel zu doof wird, geht er auf‘s Eis, sprich er macht Unsinn, sprich er erfindet Songtitel, die fast jeder inhaltlichen Grundlage entbehren und nur dazu dienen, dem Kind einen Namen zu geben.
Also: Even Helte Hermansen ist der Gitarrero, der wie ein Berserker in die Saiten langt. Kiss, Zappa, Sepultura, Marc Ribot oder Coltrane schwingen im Hypo­thala­mus mit. Rune Nergaard (Bass) und Gard Nilssen (Drums, Vibraphon) sind u.a. Gefolgsjünger von Nils Petter Molvær. Diese Mischung riecht also nach Kraftakt und genau das ist das Album auch. Ein kompakte Ladung Freerock, gepaart mit jazziger Improvisation und der Härte von Metal-Bands. Dass ab und zu auch mal Luft geholt werden muss, kommt den 47 Minuten zusätzlich zugute. Dann wird es nicht unbedingt leiser, dafür aber langsamer. So zum Beispiel auf dem Track, der übersetzt „Ich backe Kokosbrötchen” heißt. Zeitlupenrock in Formvollendung. Aber es geht noch minimalistischer: „John Lennon was the greatest man who ever lived” ist der absolute Tiefpunkt dieser CD, dezibelmäßig. Wunderbare Akustikmusik, wie es dem Titel wohl geziemt. Vibraphon, Akustikgitarre, Jazzbesen, dezenter Bass. Stille Post zum Träumen. Dann aber wieder schnell in die Vollen bis zum bitteren Ende. Autobahn, linke Spur, roter Bereich, Lichthupe. So sieht die Rache des norwegischen Buschmanns aus.

www.runegrammofon.com