Neue Platten

The Rough Guide To The Music Of The Andes: Bolivia - (V. A.)

Genre: Folk
Label:World Music Network (Edel)
CD, VÖ: - 27.06.2005

Was muß man sich unter Roots-Music aus Bolivien vorstellen? Sicherlich ein bißchen mehr als nur den ominösen Flug des Condors. Und wie das Booklet kompetent mitteilt, begegnet uns auf diesen 60 Minuten tatsächlich wesentlich mehr, als nur das klagende Wimmern der Andenflöten. Boliviens Musikkultur ist mannigfaltiger als mancher denkt. Der Rough Guide hat dies klug und vielseitig dokumentiert. Spanische und westafrikanische Einflüsse treffen da auf die urwüchsige einheimische Kultur der Aymara und der Quechua, die in diesem Hochland ohne Meeranschluß schon seit Menschengedenken leben. Und das ergibt einen nicht uninteressanten Bilderbogen, der natürlich nichts avantgardistisches an sich hat, sondern klar und eindeutig die reine Lehre der akustischen Folklore in den Vordergrund stellt.
Einer der ganz großen in Boliviens Folk-Szene ist zum Beispiel der Charango-Spieler Ernesto Cavour, der in La Paz nicht nur ein Musikinstrumenten-Museum unterhält, sondern der dem Land schon seit 1965 immer wieder neue musikalische Impulse gibt. Sein Beitrag zu diesem Sampler ist ein wunderbares Beispiel für den virtuosen Umgang mit diesem kleinen exquisiten Saiteninstrument. Eine weitere, fast schon graue Eminenz, ist die Cueca-Queen Enriqueta Ulloa, die auch schon seit mehr als 30 Jahren das Folklore-Geschehen Boliviens beeinflußt.
Aber hat gottseidank hat Compiler Dan Rosenberg nicht den Fehler gemacht, nur auf altgediente Veteranen zu vertrauen. So kommen auch eine ganze Reihe von jüngeren Vertretern zum Zuge wie Emma Junaro oder Esther Marisol.
Auf insgesamt 16 Titeln, vom Conjunto Folklórico bis hin zum Nueva Canción und von bolivianischer Carnevalsmusik bis hin zum feierlichen Taquirari aus dem zentralen Altiplano, ist alles vertreten, was in Bolivien an Hörenswertem aufzutreiben ist. Die Mischung machts eben auch hier und entsprechend positiv ist dieses Teil zu bewerten. Folklore muss eben nicht unbedingt müffeln, sie kann sogar verdammt spannend sein.

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